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Kreativität hat etwas mit bewusster Veränderung zu tun, mit einem Eingriff in Bestehendes. Und damit dieser kreative Akt auch von nachfolgenden Generationen noch bewundert werden kann, sollte er beständig sein. Ein Gemälde oder eine Skulptur sind fertig, wenn der Künstler seine Signatur setzt und endgültig zurücktritt – so jedenfalls die landläufige Vorstellung. Danach sollte das Werk unveränderlich, nach Möglichkeit gar ewig sein. Diese ideelle Ewigkeit macht es zum Widersacher der Natur, die ununterbrochen in Bewegung ist, sich laufend wandelt. Die Künstler der Renaissance sahen sich als Schüler der Natur. Aber von einem gelehrigen Schüler wurde damals gefordert, dass er seinen Lehrmeister irgendwann zu übertreffen habe. Die Euphorie immerwährenden Fortschritts: Jede Generation sollte die vorherige übertrumpfen und dabei die Natur immer perfekter kontrollieren lernen. Besser sein als die Natur, sie sich letztlich untertan machen, das ist auch eine biblische Vorstellung. Gepaart mit dem uralten Traum des Menschen von der Unsterblichkeit, führt das zu fatalen Ergebnissen, die wir heute täglich vor Augen haben. Der Künstler NILS-UDO hat sich von diesem Denken weitgehend verabschiedet, sicher auch weil er zu unserer abendländischen Zivilisation zeitweise auf eine bereichernde Distanz gegangen ist. Sein Werk verkörpert Bescheidenheit und Respekt gegenüber den Grundlagen des Lebens. „Die künstlerische Phantasie träumt die Natur weiter. Doch sie zerstört nicht, wie sonst, wenn der Mensch in die Natur eingreift“, formulierte es der Kunsthistoriker Dieter Ronte einmal. NILS-UDO geht auf die Natur zu, indem es ihre Gesetze der Vergänglichkeit und des Wandels akzeptiert. 1972 gab er die Malerei auf, die er ein Jahrzehnt in Paris betrieben hatte, und begann Land von Bauern zu pachten, um dort seine Pflanzungen und Erdarbeiten vorwirklichen zu können. Mit von der Natur geborgten Materialien schuf er Nester, Vorhänge, Floße, von deren ephemerer Existenz nur noch Fotografien zeugen. Dauerhaftigkeit verleiht er seinen Werken erst in diesem zweiten Schritt, dem fotografischen Erfassen. Eine solche Konservierung schließt aber auch eine Konservierung der Veränderung mit ein. Dieses scheinbare Paradoxon ist bei näherer Betrachtung wiederum ein Naturgesetz: Die Ewigkeit liegt nicht in der Unveränderbarkeit, sondern in der stetigen Erneuerung.Fotografie hat bei NILS-UDO keinen rein dokumentarischen Charakter, sie schafft vielmehr ihre eigene Realität. Sie abstrahiert, sie reduziert Temperatur, Akustik, Zeit, Raum und Haptik auf zwei Dimensionen. Sie verdichtet das flüchtige Werk, sie konzentriert es, und die erneute Entfesselung findet im Kopf des Betrachters statt, denn, so der Künstler: „Die Sensationen sind allgegenwärtig.“