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Wenn man von einer Farbrauschfotografie sprechen kann, dann ist vor den Bildern von Annelies Strba (*1947 in Zug) dazu Gelegenheit. Sie scheinen aus sich heraus zu leuchten, satt und enigmatisch zugleich. Obwohl die Kontraste überzeichnet sind und die Körper sich immer wieder in Unschärfe auflösen, bewahren die Bilder doch etwas sehr persönliches, das zugleich Stimmungen transportiert, die sich jedem sofort erschließen. Diese auratische Unmittelbarkeit ist zweifellos eine besondere Stärke der Schweizerin, die ihren Blick ebenso aufmerksam auf ihre Familie, vor allem auf ihre drei Kinder richtet, wie auf die Motive ‚draußen in der Welt’, die von Härte, Tristesse und den „Schatten der Zeit“ (so einer ihrer Buchtitel) berichten können. So entstehen archetypische Ikonen und Bilder geheimnisvoller Naturgestalten, aber auch Schlaglichter auf historische und gesellschaftliche Brennpunkte von emotionaler Direktheit.Seit zehn Jahren bedient sich Strba des Mediums Video. Die Standbilder, die sie herausfiltert, werden nachbearbeitet und komprimieren scheinbar ganze Sequenzen. Die Arbeit mit der Kamera scheint der Künstlerin ein körperliches Bedürfnis, dem sie seit ihrem fünfzehnten Lebensjahr nachgeht. Spätestens wenn der Alltag, mit seinen zerfasernden Belanglosigkeiten, sie zu sehr in Beschlag zu nehmen droht, greift sie wieder nach ihren Apparaten: "Wenn ich durchs Objektiv schaue, bin ich wieder bei mir." Dr. Boris von Brauchitsch