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Bernd und Hilla Becher Die typologischen Serien schwarzweißer Gasbehälter, Getreidesilos, Kühl- oder Wassertürme wurden zu Klassikern der Fotogeschichte und sind heute in den meisten wichtigen Sammlungen vertreten. Bernd und Hilla Becher begannen Ende der 50er Jahre im Siegerland industrielle Nutzbauten mit einer 13x18 Plattenkamera zu fotografieren und setzten damit der eher humanistischen Tradition, die bis dahin in der Fotografie regierte, ein Ende. Entscheidend war ihr vorab definiertes Konzept, das die angestrebte strenge Sachlichkeit der Aufnahmen gewährleiste. Alles Vordergründige, Erzählerische wurde nun ausgeklammert. Mittig platziert, vor dem immer gleichen Hintergrund eines grauen, wolkenlosen Himmels fassten sie mehrere Vertreter desselben Architekturtyps in Gruppen zusammen. Die gestochen scharfen Serien industrieller Nutzarchitekturen revolutionierten das Medium Fotografie und taten Entscheidendes für seine Neubewertung als Kunstform. Die Aufnahmen hatten eine hohe Informationsdichte und erlaubten eine große Vergleichbarkeit. In den sogenannten Typologien erhielten sie eine so starke Präsenz, dass sie sich selbst zu präsentieren scheinen. Die ihnen eigene, bislang übersehene Ästhetik des Technischen, die Schönheit der Industrie wurde auf einmal augenfällig. Für diese Leistung erhielten sie mit ihren Fotografien 1990 auf der Biennale in Venedig den Goldenen Löwen für Skulptur. Den „Bechers“ gelang damit, die Fotografie als ein eigenständiges, zeitgenössisches, ästhetisches Ausdrucksmittel zu etablieren und erstmals den klassischen Gattungen wie der Malerei und der Skulptur gleichrangig zu machen. Zahlreiche Auszeichnungen und Monografien zum Gesamtwerk, das auch im Rahmen der Konzeptkunst und des Minimalismus wahrgenommen wird, zeugen von dem großen Einfluss der Bechers auf die Kunst. Aus ihren mittlerweile legendären Klassen an der Düsseldorfer Kunstakademie ging eine angesehene Generation junger Photographen mit zunehmenden fotohistorischen Einfluss hervor. Petra Prahl