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ALEXANDER VON REISWITZ

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ANIMAL STARS Tiere sind des Menschen bester Freund, Bilder von Tieren kennen in der Geschichte der Fotografie eine lange Tradition. Eher selten jedoch gelingt es Fotografen, die Oberfläche der offensichtlichen Schönheit der Tierwelt zu durchstoßen und zum Wesen einzelner Tiere vorzustoßen, sie so in den Rahmen eines Bildes zu bannen, dass wir vor der oder dem Porträtierten stehen und fasziniert verstummen. Der 1965 in Málaga geborene, in Berlin lebende Fotograf hat mit seinen Portraits von Tieren des Berliner Zoos im LUMAS-Portfolio bereits einmal für Furore gesorgt. Seine neueste Serie „Animal Stars“ von 2007 treibt sein Projekt der aussergewöhnlichen Tieraufnahmen noch einen Schritt weiter. Von Reiswitz hat sich aufgemacht und
neun intensive Porträts von Tieren kreiert, welche, wie man so schön sagt, uns Betrachtern vielleicht „aus Film und Fernsehen bekannt sind“. Die meisten seiner Bilder sind in deutschen Tierschulen entstanden, in denen die Tiere für ihre Auftritte in TV-Serien oder Spielfilmen trainiert werden. Zum Beispiel beim bekannten Bärentrainer Dieter Kraml, wo Nora, die Bärin lebt. Auch dies ein Zeichen für den Respekt des Fotografen vor den Dargestellten: Sie alle tragen Namen – von Reiswitz fotografierte Bonnie den Adler, Theo die Eule, Massai den Löwen, Borani die Löwin, Mogwai den Serval, Dschandra den Tiger, Odin den Luchs und Jeany den Pavian. Ohne Teleobjektiv und vor Papierhintergrund schauen sie uns an, als könnten sie durch uns hindurch sehen, manchmal interessiert an uns, dann wieder melancholisch, fast traurig, oder auch einmal überraschend streng und prüfend. So treten wir in einen Dialog und vergessen beinahe, dass wir Menschen und sie Tiere sind. Von Reiswitz – der Seelenfotograf. ZOOGESTALTEN Alexander von Reiswitz, geboren 1965 in Málaga, studierte Kunstgeschichte, bevor er sich der Architektur und Fotografie zuwandte. Das Wissen um eine lange Bildnis-Tradition und ein Gefühl für Porträts paaren sich in seinen schwarz-weißen Fotografien mit Strenge und Sachlichkeit, so dass man seine Studien durchaus als sehr fruchtbaren Umweg zur Fotografie begreifen kann. Architektur und Porträt waren und sind bis heute seine Domäne, aber Porträtfotografie, das beweist Reiswitz, muss nicht auf den Menschen beschränkt bleiben. Mitten in der deutschen Hauptstadt hat er ein Viertel aufgetan, der sich grundlegend von allen anderen Stadtteilen unterscheidet. Es ist der mit seinen 14tausend Bewohnern wohl multikulturellste Kiez Berlins. Dort leben Wesen, die Tanja, Klapperkopp, Mzima, Pang Pha oder Bulette heißen und täglich begafft und hundertfach geknipst werden. Reiswitz hat einen anderen Weg eingeschlagen, und es ist ihm eine respektvolle Serie von Bildnissen tierischer Persönlichkeiten, die hier teilweise seit Generationen eine Heimat haben, gelungen. Keine Fotos, wie sie die schaulustigen „Tierfreunde“ in ihren kleinen Digitalboxen speichern, keine erniedrigenden Schnappschüsse vom putzigsten, buntesten oder skurrilsten Exoten, sondern Charakterköpfe, Porträts, mit denen man sich bewerben oder einen Pass beantragen könnte. Es sollten Bilder von Stars und Helden entstehen, denn für viele Berliner waren über Jahrzehnte die Zooeinwohner Prominente, über die man wie über die High Society in der Zeitung las: „Effi ist wieder schwanger“ oder ähnliches. Die Tiere zu kennen, „das gehört ja zur Berliner Kultur und Allgemeinbildung. Das hat mit dem langen Eingesperrtsein zu tun“, vermutet der Fotograf. „Berlin war ja eigentlich auch ein Zoo. Und der echte Zoo hatte einen gewissen Status, als die Mauer noch stand. Da ging man gerne hin, um ein bisschen Freiheit zu genießen.“Um die gleichen Bedingungen wie bei einer Session mit einem menschlichen Modell zu schaffen, hat Alexander von Reiswitz sein provisorisches Studio im Tiergehege aufgebaut – ein abenteuerliches Unterfangen, das in mehrfacher Hinsicht besondere Konzentration erforderte. Zum einen suchte er größtmögliche Nähe zu seinen Modellen, den unmittelbaren Blickkontakt, zum anderen musste er auf dem Sprung sein, um sich vor den Allüren mancher dickhäutigen Diva mit einem beherzten Sprung aus dem Käfig zu flüchten. Ein sensibler und explosiver Dialog auch für die Porträtierten: „Die Entscheidung, Tiere unter gleichen Raum- und Lichtbedingungen wie Menschen zu porträtieren, gleicht dem Versuch, Menschen in einem geschlossenen Studio zu fotografieren, das gerade von einem Erdbeben erschüttert wird“, schreibt Reiswitz. „In Extremsituationen geben die Betroffenen mehr von sich preis als unter ‚normalen Umständen’“. Dr. Boris von Brauchitsch