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Der Klang von Las Vegas Bunt wie ein Begrüssungscocktail ist unser Bild von Las Vegas. Alles geht, wir gehen mit, setzen alles oder – warten ab und sehen. Das Grand Hotel leuchtet jeden Moment in einer anderen wilden Farbe, das Geld hat Dinge in die Wüste von Nevada gebracht, die einfach nur erstaunen. Und da ist Klang. Eher ein Klangteppich aus den Geräuschen der Casinos gewoben, von den verlockend wispernden Maschinen, Karten und Würfeln, den ächzenden oder verhalten jubelnden Spielern und besonders dem scheppernden Jackpot, der jeden aufhorchen lässt. Genau dieser Klangteppich ist der Schlüssel zum Verständnis des künstlichen Paradieses, ist wie der tausendfach strahlende Kronleuchter über den endlosen Reihen der Automaten. Er ist überall, in jeder Faser des omnipräsenten Teppichbodens, in den perfekt tapezierten Betonwänden der Suiten, in jeder der verführerischen Pop-Fassaden überall auf dem Strip, in jeder der Millionen lockenden Glühbirnen. Das ist der Klang der Dinge, die großartig sind, wie eigentlich alles hier. Der deutsche Fotograf Andreas Schmidt hat sich diesem Phänomen mit allen seinen Sinnen gewidmet, über sechs Jahre hat er der bis ins letzte Detail geplanten Verführung nachgespürt. Es scheint, als habe Schmidt sein Ohr an jedes Ding gelegt, bevor er zurücktrat und es fotografierte. Er tat es auf seine Art: Der Klang ist in jedem seiner Bilder, der Klang des Geldes, auf dem Las Vegas mitten im Nichts wie auf einem Felsen aus Nickles and Dimes ruht. Aber ist da nicht noch etwas anderes, beinahe historisches zu hören, wenn man über einen der dicken Teppiche in die Suite schlurft, nach der Show oder der elegant durchzockten Nacht? Es sind Klangfetzen der Songs der grossen Entertainer, die hier waren, dem künstlichen Ort Ihre amerikanische Seele gaben: Frankie Boy, Dean, Sammy Davies Junior und die vielen anderen. All das ist in Schmidts großartigen farbigen Formaten, einem wahren Soundtrack von Las Vegas in Bildern. Er zeigt uns die vollgesogenen Oberflächen der künstlichen Räume aus gewissenhafter, doch faszinierter Distanz mit fast britischem Unterstatement. Seine Arbeiten werden seit Jahren in seiner Wahlheimat London und in Europa mit Ausstellungen und umfassenden Veröffentlichungen gewürdigt. Horst Klöver