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KARL MARTIN HOLZHÄUSER

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Fotokunst als Lichtmalerei

 

Als langjährigem Hochschullehrer für Kommunikationsdesign sind ihm alle technischen Bildproduktionsmittel praktisch wie theoretisch vertraut. Für seine eigenen künstlerischen Arbeiten interessieren ihn diese jedoch wenig bis gar nicht. Allenfalls als Gegenpol zu dem, was er selbst macht, denn Karl Martin Holzhäuser praktiziert Lichtmalerei. 

Das Licht ist zwar ein elementarer Bestandteil des technischen Bilderproduzierens, denn ohne Licht gäbe es nur Schwarzbilder. Licht spielt für seine Arbeit aber eine andere Bedeutung, da er auf die sonst üblichen Komponenten, wie Kamera und Film, verzichtet. Karl Martin Holzhäuser geht es um Grundsätzlicheres. Und in diesem Punkt hat er eine bemerkenswert gradlinige Entwicklung hinter sich, seit er mit Gottfried Jäger, Hein Gravenhorst, Pierre Cordier, Herbert W. Franke und anderen in den späten sechziger Jahren die „Generative Fotografie“ aus der Taufe hob. Fern der damals übermächtigen journalistischen Fotografie mit ihren gesehenen Bildern, oder den aus der Modefotografie geläufigen Inszenierungen mit ihren jeweiligen Subjektivismen, ging es darum, die objektiven Bestandteile der Fotografie auszuloten, diese theoretisch zu durchdringen und in praktische Bilder zu überführen. Dafür bediente man sich der Kamera, mehr noch verzichtete man aber auf sie, ging auf die Stufe der Camera obscura zurück und generierte mit einzelnen oder  systematisch angeordneten Lochblenden fotografische Bilder. Diese tendierten zur Abstraktion und bildeten nur noch bedingt ab.

Auf dieser Grundlage entwickelte Karl Martin Holzhäuser parallel zu seiner Tätigkeit an der Fachhochschule in Bielefeld seine eigene Technik, die gleichfalls kameralos ist und viel mit manueller Tätigkeit zu tun hat. Technisch gesprochen basiert seine Lichtmalerei auf verschiedenen Lichtstäben, in variierenden Größen, mit denen, Farben unmittelbar über Fotopapier geführt werden, wo sie die Spuren hinterlassen, die dann nach dem üblichen physikalisch-chemischen Entwicklungsprozess erscheinen. Es versteht sich von selbst, dass diese Bilder gegenstandslos sein müssen und in dem Sinn nichts abbilden, was unseren alltäglichen Seherfahrungen entspricht. Holzhäuser gibt seinen Bildern deshalb aus guten Gründen auch keine beschreibenden Titel, sondern belässt es bei Jahreszahlen und Ziffern, die markieren, in welchen Zeit- und Werkzusammenhang sie entstanden sind.   

Es liegt nahe, dass in diese Aufnahmen viele praktische Erfahrungen einfließen, die über die Jahre gewonnen wurden. Schließlich bedarf es des ständigen Umgangs mit den Lichtquellen, Farbfiltern und Fotopapieren, um zu den angestrebten Ergebnissen zu kommen. Denn die Bildergebnisse werden bestimmt vom jeweiligen Lichtstab, den gewählten Farbtönen und Farbdichten, dann von der Geschwindigkeit der mit der Hand ausgeübten Bewegung und schließlich von dem Abstand der Lichtquelle zum Fotopapier. (Angemerkt sei, dass  Holzhäusers Farbverständnis nachhaltig von der Farbenlehre Johannes Ittens geprägt worden ist.) Die komplementärfarbenen Filter stellt er selbst mit Lasurfarben her, was den manuellen Charakter zusätzlich unterstreicht.

Die Bilder von Karl Martin Holzhäuser treten ungeachtet ihres abstrakten Erscheinungsbildes als höchst individuelle künstlerische Produkte auf und sind überaus konkret. Damit ist der subjektive Faktor – wie er in der Generativen Fotografie anfangs noch ausgeschlossen werden sollte – wieder in die bildnerische Arbeit zurückgekehrt. Farbklänge und Farbakkorde und eine in der Nähe der elementaren Grundmuster Quadrat und Kreis angelegte Formenvielfalt bestimmen diese modernen wie einzigartigen Bilder. In ihrem kraftvollen handwerklich-gestischen Duktus und ihrer formalen Einfachheit haben sie etwas von japanischen Kaligraphien, aber eben fotografisch gegründet und deshalb im haptischen Erscheinungsbild nicht vergleichbar. Bei allem Handwerklichen und Malerischen, es dominieren die fotografischen Oberflächen mit ihren speziellen ästhetischen Reizen. Das macht sie zu einem festen Bestandteil aktueller Fotokunst.

 

Dr. Enno Kaufhold