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Im vielleicht berühmtesten Buch über Fotografie und Kunst, dem bereits 1928 publizierten Werk „Urformen der Kunst“ von Karl Blossfeldt, findet sich im Vorwort folgende Bemerkung: „So vielgestaltig das Reich der mit uns wachsenden und vergehenden kristallischen, animalischen und vegetativen Formen auch ist: sie werden bestimmt von einem jenseitigen, starren und ewigen Gesetz, das sie ins Dasein rief. Alle Naturform ist ständige Wiederholung des gleichen Ablaufs seit Jahrtausenden und nur durch klimatische Verschiebungen oder wechselnde Bodenbeschaffenheit Veränderungen unterworfen, die an der Grundgestalt nicht rütteln. Farn und Schachtelhalme hatten ihre heutige Form schon vor unvorstellbaren Zeiten.“ Eigentlich, so erklärt der italienische Fotograf, begann diese Serie von s/w-Bildern als eine Art Stilübung. De Filippi wollte jeden Morgen die gleiche Pflanze fotografieren. Es war nicht so sehr ein naturalistisches Interesse, das den Künstler zum Fotografieren bewog, vielmehr seine Suche nach einer vorhandenen, unbewussten Dimension, die je beim Fortschreiten der Arbeit immer mehr in den Vordergrund trat. Damit stellt sich De Filippi in die große Tradition der künstlerischen Naturfotografie, für die das „Ausgangsmaterial“ – die Pflanzenwelt und deren tatsächliche Beschaffenheit – immer nur Vorwand ist, um im Prozess der künstlerischen Kreation zur symbolischen Ebene vorzustoßen. Das Resultat allerdings – wenn es so klar und magisch gelingt wie in diesen Bildern – ist dann, dass uns Betrachtern plötzlich klar wird, welche Schätze an Formen und Strukturen direkt vor unseren Füssen liegen, haben wir nur das Auge dafür… Pietro De Filippi studierte in Rom Fotografie, arbeitete zunächst als Presse-, dann als Modefotograf, unter anderem für die italienische Vogue. Seine Werke wurden in verschiedenen Ausstellungen in Italien gezeigt. Heute arbeitet er vor allem als Auftragsfotograf in Rom, wendet sich in seiner freien Zeit aber noch immer mit Passion dem freien Experiment und der Suche nach ganz eigenen Bildern zu. Wie in dieser Serie, die 2006 entstand. Im eingangs zitierten Buch von Blossfeldt findet sich auch noch folgender, für heute wie damals gültiger Satz: „Wir erleben, dass die heutige Jugend, in Auflehnung gegen erbarmungslose Materialisierung und Intellektualisierung, sich wieder mit elementarer Gewalt der Natur zuwendet.“ Also wollen wir jetzt schweigen vor diesen eindringlichen, poetischen Bildern „nach der Natur“.